Berlin braucht sein Kino Colosseum

Liebe Freunde des Colosseums, liebe Kiezbewohner:innen, liebe Mitstreiter:innen, liebe Kolleg:innen,

am 14. März 2021 jährt sich die Schließung unseres schönen Hauses.

365 Tage ohne unser Colosseum.

Wahnsinnig viel ist passiert in diesem Jahr, es gab viele traurige Momente, aber auch viel Kampfgeist und immer wieder viel Hoffnung auf eine Fortführung des Hauses als Filmtheater hier in Prenzlauer Berg.

Im November 2020 konnte man der Presse entnehmen, dass die Senatsverwaltung für Wirtschaft einen Kauf des Hauses prüfe. Auch in der letzten BVV Pankow wurde dieses Thema wieder in Erinnerung gerufen. Da bisher jedoch scheinbar keine Fortschritte erzielt werden können, trotz eines eindeutigen BVV-Beschlusses, ist uns folgendes Projekt sehr wichtig:

Zum Jahrestag der Schließung möchten wir mit euch zusammen dem Bezirk und dem Berliner Senat noch einmal die Bedeutung des Hauses für den Kiez und ganz Berlin deutlich machen.

Wir haben einen Text vorbereitet, den ihr an die nachfolgenden Ansprechpartner:innen verschicken könnt. Selbstverständlich seid ihr frei, auch eure eigenen Anschreiben zu verfassen.

Wir kämpfen weiter!

Euer Team von Rettet das Colosseum


Link zum Download der Word-Datei als E-Mail/Briefvorlage: hier

Betreff: Berlin braucht sein Kino Colosseum

Gerne könnt ihr auch mail@rettetdascolosseum.de in CC oder BCC setzen!

 

Michael Müller
Der Regierende Bürgermeister von Berlin
– Senatskanzlei –
Jüdenstraße 1
10178 Berlin
Mail: Der Regierende Bürgermeister

Sören Benn (Bezirksbürgermeister Pankow)
Rathaus Pankow
Breite Straße 24a-26
13187 Berlin
Mail: Bezirksbürgermeister

Dr. Klaus Lederer
Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Abteilung Kultur
Brunnenstraße 188-190
10119 Berlin
Mail: Senatsverwaltung

Dr. Matthias Kollatz
Senator für Finanzen
Klosterstraße 59
10179 Berlin
Mail: Finanzsenator (alternativ: Persönlicher Referent für Herr Junker – Senatsverwaltung für Finanzen: Thomas Häcki)

Sebastian Scheel
Senator für Stadtentwicklung und Wohnen
Fehrbelliner Platz 4
10707 Berlin
Mail: Stadtentwicklungssenator

Ramona Pop
Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Martin-Luther-Straße 105
10825 Berlin
Mail: Wirtschaftssenatorin

Mein liebstes Colosseum

 

Mein liebstes Colosseum,

Ein Jahr ist es her, als ich dich letztmals von innen sah,
ein Jahr, in dem so unfassbar viel geschah.
Ein Jahr, dass dich und mich für immer wandelte,
ein Jahr, in dem es an Krisen nicht mangelte.

Ich seh’s noch immer vor meinen Augen,
und man mag es kaum noch glauben,
Wie du erstrahltest in Glanz und hellem Licht,
wie die Menschen sich drängelten, dicht an dicht.

Ich weiß es noch, als wär es gestern,
es liefen Action, Horror und auch Western.
Für Jugendfilme warst du bekannt,
von Kindern sonntags gänzlich überrannt.

Die “Berlinale” ging hier ein und aus,
machte dich zu einem ganz besond’rem Haus.
Auch Spatzenkino durfte nicht fehlen,
Noch so viel mehr ist aufzuzählen.

Einschulungen und Jugendweihen,
romantische Dates zwischen Zweien oder Dreien?
Auch Filmpremieren gab es mal,
du warst immer meine erste Wahl.

Historisch bist du relevant,
in ganz Berlin deshalb bekannt.
Fast hundert Jahr’ alt bist du jetzt,
wurdest nicht selten unterschätzt.

Mit deinen sehr pompösen Hallen,
Hast du mir von Anfang an gefallen.
Mit toller Deko – überall,
wo damals war ein Pferdestall.

Nun stehst du unter Denkmalschutz,
doch künftig wohl völlig ohne Nutz’.
Zehn wunderschöne Kinosäle,
besser als alle Fernsehkanäle.

Doch ist noch Lockdown – ich häng vor Netflix,
nur wenn es sein muss, tut’s auch mal Six.
Aber nicht einmal Besos’ Amazon,
bringt mir so herzergreifende Emotion’.

Gelacht, geweint, gejubelt und gelitten,
so manch ein Film war sehr umstritten.
Doch wenn ich dann kam, aus dem Saale heraus,
wollt’ ich eigentlich noch lang nicht nach Haus.

Die Arbeit hat hier Spaß gemacht,
Auch wenn ‘s oft ging bis Mitternacht.
Nicht nur tat ich tagtäglich meine Pflicht
und freute mich über jedes strahlende Gesicht,
ich war auch Stammgast immer hier.
Hätt’ nie gedacht, dass ich dich mal verlier.

Das Abendschwätzchen durfte nicht fehl’n,
Gab für uns alle viel zu erzähl’n.
Von Mustafa gleich nebenan,
holten wir ‘s Bierchen nachts heran.

Zwei Demos und ‘ne Petition,
Es ist nicht nur ‘ne Illusion.
Niemand will hier ein Büro,
doch über ‘n Kino, wär’n alle froh.

Die Brauners haben Geld und Macht,
‘ne Fortführung wär doch gelacht.
Stecken nicht nur ein die ganze Pacht,
sondern lügen bis der Balken kracht.
‘Ne Abfindung in voller Pracht,
Haben sie sich völlig ausgedacht.
Kein Cent davon wird je erbracht.
Es war noch nicht mal angedacht.

Die Politik muss tätig werden
und nicht erst, wenn alles liegt in Scherben.
Eine Rettung muss jetzt her,
das wünsche nicht nur ich mir sehr.

Ein Kauf durch die Stadt, der wär jetzt nicht schlecht,
ein Kino mit Kultur – das wär allen recht.
Wie ihr nun seht, es ist mir wichtig,
die Fortführung ist einzig richtig.

Und nicht vergessen werden darf zum Schluss,
dass auch ein Mensch, von etwas leben muss.
Zehn Monate fehlt mir schon das Geld.
Wo ist er nur, unser großer Held,
Der uns verschafft zurück den Job,
Mit ei’m Gehalt, das wäre top?!

So steh ich täglich nun vor dir,
vor dauerhaft geschloss’ner Tür.
Alles ist trist und völlig kahl,
dich so zu sehen ist eine Qual.

Geschmückt mit Filmen aller Art,
war deine Schließung ganz schön hart.
Nun bist du zu und öffnest nicht,
Tränen zieren mein Gesicht.

Egal wofür auch immer,
wichtig war nur dein Geflimmer.
Nun ist es weg und kommt nie mehr,
Du glaubst es kaum, ich vermiss dich sehr!

Dein Dich liebender Mitarbeiter!

– geschrieben von Michel Rieck –